Wir pflegen die Kunst, durch die Zeit zu reisen

Reisen Sie mit!

Das Luftschiff, mit dem die Histonauten die Weltgeschichte erkunden, hat Henri Giffard konstruiert. Dem dampfmaschinenbegeisterten Franzosen gelang 1852 der allererste motorisierte bemannte Flug. Von Paris über Versailles nach Elancourt legte das Gefährt rund 28 Kilometer zurück. Mit seiner aerodynamischen Form und der drei PS starken Dampfmaschine, die die Luftschraube antrieb, kam der schnittige Gasballon mit acht Kilometern pro Stunde voran. Das dreieckige Segel nutzte Giffard zum Steuern. Zum Landen warf er den Anker. Eine optimierte Variante des Luftschiffes ging bei der Probefahrt in Flammen auf. Giffard und sein Begleiter entkamen der Katastrophe jedoch unverletzt. Erst fünfzig Jahre nach Giffards Pionierflug gelang es Ferdinand Graf Zeppelin, ein wirklich verkehrstüchtiges Luftschiff zu bauen. (© Bild: Sammlung Jean Louis Schlim)


aktuell

Newsletter 235 (12.07.2020)


Von Bundesarchiv, Bild 183-R0211-316 / CC-BY-SA 3.0, CC BY-SA 3.0 de, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=5436013Für (C)-Info Mauszeiger auf das Bild ziehen

Liebe Freunde der weiß-blauen Kulturgeschichte,

er spielte leidenschaftlich gern Klavier, Schach und Tennis, war ungemein gewitzt und führte zeitweise das Leben eines Dandys. Aufgewachsen im Berliner Villenviertel Grunewald, wo Bilder von Lenbach die Wände schmückten, begann er den Tag in aller Regel nicht vor 11 Uhr, verbrachte die Abende vorzugsweise im Kino und die Nächte mit Freunden bei gelehrten Diskussionen über Gott und die Welt. Seinen Entschluss, Evangelische Theologie zu studieren, hielt der Vater, Chefarzt der Neurologie an der Charité, für Zeitverschwendung. Immerhin war der Großvater mütterlicherseits Hofprediger an der Potsdamer Garnisonkirche gewesen.

Den großbürgerlichen Bonvivant mit aristokratischen Wurzeln legte der ebenso weltläufige wie polyglotte Dietrich Bonhoeffer zwar nie wirklich ab. Andererseits tauchte er – ob in Harlem oder am Prenzlauer Berg – in prekäre Lebenswelten ein, bewunderte Mahatma Gandhi und stellte sich an die Seite derer, die Hilfe und Unterstützung brauchten. Er war überzeugt davon, dass die christlich-humanistischen Werte nicht verhandelbar sind und dass eine christlich-humanistische Haltung in ein entsprechendes Handeln münden muss. Folgerichtig schloss er sich in den Tagen des Nationalsozialismus dem Widerstand an.

Dank persönlicher Verbindungen kam er im Zweiten Weltkrieg zum „Amt Ausland/Abwehr“, dem militärischen Nachrichtendienst der deutschen Wehrmacht, wo er – gedeckt von Vorgesetzten – im Sinne des Widerstandes tätig blieb. Seine internationalen Kontakte prädestinierten ihn zum Doppelagenten. Über das Münchner Büro der „Abwehr“ in der Schönfeldstraße und über den späteren CSU-Vorsitzenden Josef Müller, den legendären „Ochsensepp“, liefen seine Drähte in den Vatikan. Und in Ettal, wo er drei Monate verbrachte und in der Klosterbibliothek arbeiten durfte, sprach er mit dem Jesuitenpater und NS-Gegner Rupert Mayer.

Schon lange unter Beobachtung der Gestapo, flog er am Ende freilich doch auf. Sein letzter Weg führte ihn vom Militärgefängnis Berlin-Tegel über Buchenwald, Regensburg, Metten und den niederbayerischen Marktflecken Schönberg nach Flossenbürg in der Oberpfalz. Dort wurde er in den letzten Tagen der NS-Herrschaft an der Seite von Admiral Wilhelm Canaris, seinem Chef im „Amt Abwehr/Ausland“, gehängt.

Anlässlich seines 75. Todesjahres hat sich Klaus Reichold mit Pfarrer Thomas Lotz von der Evangelischen Kirchengemeinde Höhenkirchen-Siegertsbrunn unterhalten. Im dortigen Gemeindezentrum war kürzlich eine Wanderausstellung über Dietrich Bonhoeffer zu sehen, die vom Evangelischen Presseverband für Bayern konzipiert wurde und im Lauf des Jahres an verschiedenen Orten in ganz Deutschland gezeigt wird.

Wir haben das Gespräch für Sie mitgeschnitten:



Weiterführende Informationen und den Liedtext zum Mitsingen am Ende der Aufzeichnung finden Sie hier ...


Mit den besten Grüßen

Thomas Endl


Newsletter 234 (22.06.2020)


Liebe Freunde der weiß-blauen Kulturgeschichte,

vor gut fünf Jahren ist eine virtuelle Ausstellung eröffnet worden, die wir – in enger Zusammenarbeit mit dem Stadtarchiv Ingolstadt, dem Stadtmuseum Ingolstadt und den Gestaltern von append[x] aus Endlhausen – für das Bayerische Armeemuseum erarbeitet haben. Sie thematisiert die Rolle von Ingolstadt im Ersten Weltkrieg. Denn hier trafen zwischen 1914 und 1918 alle aufeinander: Soldaten, die mit Sonderzügen an die Front verlegt wurden, Verwundete, die in den Reservelazaretten wieder einsatzfähig gemacht werden sollten, Frauen, die in der Rüstungsindustrie arbeiteten und Kriegsgefangene, die in ortsansässigen Betrieben jene Männer ersetzten, die ihr Leben auf den Schlachtfeldern gelassen hatten.

Auf der Grundlage dieser virtuellen Ausstellung hat „Schanzer.TV“, das regionale Online-Fernsehen für Ingolstadt und Umgebung, eine 3-teilige Filmserie produziert. Sie ist soeben fertig geworden und wird an diesem Dienstag im Rahmen einer Live-Premiere präsentiert. Sie beleuchtet unter anderem die Mangelwirtschaft jener Tage, die zwiespältige Haltung der Kirchen zum Krieg und den Umgang der Angehörigen mit dem tausendfachen „Heldentod“ – zu dessen ersten Opfern ausgerechnet der einzige Sohn des damaligen Ingolstädter Bürgermeisters Jakob Kroher zählte. Ergänzende Interviews mit Nachfahren von Zeitzeugen, mit dem Stadtheimatpfleger Tobias Schönauer, mit Beatrix Schönewald, der Leiterin des Stadtmuseums, und mit Franz Hofmeier, der als ehemaliger Schulleiter des Descartes-Gymnasium in Neuburg Unterrichtsmaterialen zu der virtuellen Ausstellung verfasst hat, zeigen am Beispiel Ingolstadt, wie verheerend sich die „Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts“ (George F. Kennan) auf den Alltag der Soldaten im Feld und auf das Leben der Zivilbevölkerung an der „Heimatfront“ ausgewirkt hat.

Verfolgen können Sie den Stream entweder über https://livestream-ingolstadt.de/schanzer-stadtgeschichte oder über die Facebook-Seite von „Schanzer.TV“. Falls Sie an diesem Dienstag nicht live dabei sein können: Die die drei Teile der Filmserie werden in den Wochen nach der Live-Premiere peu à peu auf www.schanzer.tv veröffentlicht.

Wann: Di, 23.06.2020, 19 Uhr
Wo: im Internet unter https://livestream-ingolstadt.de/schanzer-stadtgeschichte oder später unter www.schanzer.tv.

Mit den besten Grüßen – auch von der Leitung des Bayerischen Armeemuseums

Thomas Endl 



Newsletter 233 (05.06.2020)


Liebe Freunde der weiß-blauen Kulturgeschichte,

ein herzliches Dankeschön für die vielen aufmunternden Reaktionen, die uns in den vergangenen Wochen erreicht haben!

Ihr Zuspruch hilft uns sehr, an die Zukunft zu glauben – trotz der coronabedingten Einschränkungen, die uns, wie es Katharina Thalbach neulich so hübsch in einem Spiegel-Interview formuliert hat, in eine Reihe stellen mit „Bordellen, Tanzschuppen und Schaustellern … und allem, was Freude macht“.

Ab 15. Juni 2020 erlaubt die Bayerische Staatsregierung zwar die Wiederaufnahme des „analogen“ kulturellen Veranstaltungsbetriebes – allerdings unter Bedingungen, die wir organisatorisch nicht erfüllen können, die uns wirtschaftlich das Kreuz brechen würden und die wir Ihnen und uns auch gar nicht zumuten wollten. Deshalb dürfte es noch einige Zeit dauern, bis wir die üblichen histonautischen Umtriebe (Vorträge in St. Bonifaz, Museums- und Stadtrundgänge, Exkursionen) fortsetzen können.

Uns fehlt der persönliche Kontakt mit Ihnen. Andererseits ist klar: Unser aller Gesundheit geht vor. Außerdem haben Klaus Reichold und ich das Glück, dass wir – dank unserer Ausbildungen zu Kulturjournalisten und Filmemachern – mit Ihnen auch auf anderen Wegen in Kontakt bleiben können, beispielsweise über regelmäßige Online-Angebote, die sich unterschiedlicher Formate bedienen und Raum für individuelle Nachfragen bzw. für den persönlichen Austausch bieten.

Wir haben inzwischen – nach allerlei Experimenten – unser Film-Equipment ergänzt. Auch die jüngsten, überraschend guten Erfahrungen mit „Zoom-Meetings“ stimmen uns zuversichtlich: Es sollte uns gelingen, ein Programm zusammenzustellen, das im virtuellen Raum anders, letztlich aber ähnlich funktioniert wie unser bisheriger „analoger“ Veranstaltungsbetrieb.

Leider sind wir noch nicht so weit, wie wir sein wollten. Dafür finden Sie hier die erste Folge unserer neuen Rezensions-Reihe „Hut ab oder Kopf ab? – Die Histonauten-Kritik“. Wir besprechen die Ausstellung „Eine Neue Zeit – Die Goldenen Zwanziger in Oberbayern“. Sie ist noch bis 14. Juni 2020 im Freilichtmuseum des Bezirks Oberbayern zu sehen und sei zur Vorbereitung all jenen unserer Hörer ans Herz gelegt, die mit dabei sein wollen, wenn wir im Herbst dieses Jahres (sei es online oder „analog“) die Vortragsreihe „Bayern in den 1920-er Jahren“ starten.


Außerdem können Sie Klaus Reichold vermutlich an diesem Samstag in Bayern 2 hören. Er spricht über König Ludwig II. und das Schloss Linderhof, das am vergangenen Dienstag nach mehrwöchiger, coronabedingter Schließung wieder seine Tore geöffnet hat. Das Interview ist im Mai aufgezeichnet worden. Es wird einfließen in einen etwa fünfminütigen Beitrag, der – sofern es keine Programmänderung gibt – zwischen 9.05 und 12.00 Uhr ausgestrahlt und danach wohl auf der Website der Sendung zu finden sein.

Wann: Samstag, 06.06.2020
Welche Sendung: Bayern 2 am Samstagvormittag
Wann: 9.05 bis 12.00 Uhr

Mit besten Grüßen
Thomas Endl





Newsletter 232 (19.04.2020)


Liebe Freunde der weiß-blauen (und sonstigen) Kulturgeschichte,

wenn von den Histonauten die Rede ist, dann haben die meisten von Ihnen vermutlich nur den Klaus Reichold und mich vor Augen. Tatsächlich aber sind wir ein fideles Trio: Ohne die gelernte Kinderkrankenschwester und studierte Zeithistorikerin Sonja von Behrens, die – ebenso wie wir – aus dem Fernsehjournalismus kommt und zahlreiche Museumsprojekte mit uns erarbeitet hat, würden wir uns nicht komplett fühlen.

Sonja von Behrens hat ihre ersten Erfahrungen bei der BBC in Birmingham gesammelt, sitzt heute in Hamburg und ist vor allem für ARD und ZDF tätig. Als Autorin und Regisseurin nimmt sie immer wieder herausragende Ereignisse und Persönlichkeiten der jüngsten deutschen und europäischen Geschichte unter die Lupe. Mehr über Sonja von Behrens finden sie auf ihrer eigenen Homepage.

An diesem Sonntag feiert ihr neuestes Werk seine Premiere im ZDF:

Die zwei Leben des Willy Brandt

45-minütige Filmdokumentation von Sonja von Behrens
So., 19.04.2020, 23.45 Uhr

Der vierte Kanzler der Bundesrepublik vereinte Widersprüchliches: Er war ein eher scheuer Liebling der Massen, ein versöhnungsbereiter Kämpfer, ein manchmal melancholischer Machtpolitiker.

1969 wird Willy Brandt zum ersten Bundeskanzler mit SPD-Parteibuch gewählt. Für seine Ostpolitik erhält er den Friedensnobelpreis und erringt für seine Partei das beste Wahlergebnis ihrer Geschichte. 1974 tritt er gedemütigt wegen einer Spionage-Affäre zurück.

"ZDF-History" zeigt den Lebensweg Willy Brandts, der sich aus schwierigen Verhältnissen nach oben arbeitete und an inneren Widersprüchen litt. Menschen, die Brandt gut kannten, darunter sein persönlicher Referent Dieter Lasse oder sein ältester Sohn Peter, berichten von politischen Triumphen und persönlichen Tiefschlägen eines der großen Kanzler der Bundesrepublik, dessen Regierung als Zeit des Umbruchs in Erinnerung bleibt.

Die Fernsehdokumentation ist mindestens ein Jahr lang in der ZDF Mediathek abrufbar.
Oft wird der Link schon in den Nachmittagsstunden des Sendetages freigeschaltet.

Einen interessanten Filmabend wünscht
Thomas Endl



Newsletter 231


Liebe Freunde der weiß-blauen Kulturgeschichte,

eigentlich wollten wir Sie schon in der Karwoche mit einem „Viertelstünder“ grüßen, einem 15-minütigen Filmvortrag über „Geistliches Spektakel rund um Ostern“. Weil der Klaus Reichold nach langer Enthaltsamkeit einem regelrechten Recherche-Rausch verfallen ist, dauert der „Viertelstünder“ jetzt allerdings eher eine Dreiviertelstunde.

Dazu kommt, dass wir die Technik noch nicht so richtig beherrschen (was man dem Werk auch ansieht) und dass der rote Histonauten-Kater mehrmals für Ungemach am Set gesorgt und unter anderem das Filmlicht umgeworfen hat (der schwarze Histonauten-Kater schaut zwar frecher, ist aber eher am Fressen interessiert und bei den Dreharbeiten erstaunlich brav geblieben). Deshalb ist das Opus erst heute fertig geworden:

Von alten Spitalern und dem Triumph des Lebens – Geistliches Brauchtum rund um Ostern

37-minütiger Filmvortrag von Klaus Reichold & Thomas Endl
in der neuen Reihe Mit den Histonauten durchs Jahr


Wir sind also wieder da. Und auch wenn unser „analoges“ Programm mit Vorträgen in St. Bonifaz und begleitenden Rundgängen bzw. Exkursionen wegen der Corona-Krise nicht – wie geplant – nach den Osterferien starten wird:

Wir haben einen eigenen YouTube-Kanal, den Sie gerne abonnieren können. Darüber hinaus suchen wir, wie viele Kollegen, Museen und Kulturinstitute, nach neuen Wegen, über die wir mit unserem Publikum, also mit Ihnen, in Verbindung bleiben können, z.B. über Online-Seminare.

Sobald wir die technischen Möglichkeiten einigermaßen beherrschen, melden wir uns wieder.

Wir hoffen, dass Sie gut durch diese Tage kommen, und wünschen Ihnen mit unserem „37-Minüter“ viel Freude.

Beste Grüße aus der Münchner Isarvorstadt – und frohe Ostern!

Thomas Endl


Falls Sie Zeitlang nach uns haben sollten: Aus der Feder von Klaus Reichold stammt der Beitrag „Himmelskind und Adonis, Falstaff und Märchenkönig – Das Bild Ludwigs II.“, der vor Jahresfrist in einer Publikation des Freisinger Diözesanmuseums erschienen ist. Das Buch trägt den Titel „In die Wiege gelegt – Ludwig II. – Der gottgeschenkte Märchenkönig“, zählt unter anderem Reinhard Heydenreuter, Gerhard Immler und Hans Ottomeyer zu seinen Autoren und ist von Christoph Kürzeder bei Allitera herausgegeben worden.