Wir pflegen die Kunst, durch die Zeit zu reisen

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Das Luftschiff, mit dem die Histonauten  die Weltgeschichte erkunden, hat Henri Giffard konstruiert.  Dem dampfmaschinenbegeisterten Franzosen gelang 1852  der allererste motorisierte bemannte Flug.  Von Paris über Versailles nach Elancourt legte das Gefährt  rund 28 Kilometer zurück.  Mit seiner aerodynamischen Form und der drei PS starken  Dampfmaschine, die die Luftschraube antrieb, kam der  schnittige Gasballon mit acht Kilometern pro Stunde voran.  Das dreieckige Segel nutzte Giffard zum Steuern.  Zum Landen warf er den Anker. Eine optimierte Variante  des Luftschiffes ging bei der Probefahrt in Flammen auf.  Giffard und sein Begleiter entkamen der Katastrophe  jedoch unverletzt. Erst fünfzig Jahre nach Giffards Pionierflug  gelang es Ferdinand Graf Zeppelin,  ein wirklich verkehrstüchtiges Luftschiff zu bauen.   (© Bild: Sammlung Jean Louis Schlim)


aktuell


Newsletter 207

Liebe Freunde der weiß-blauen Kulturgeschichte,

zwischen Ende Februar und Anfang Mai 1919 erlebte München eine zweite, genaugenommen auch noch eine dritte und sogar eine vierte Revolution. Die Augenzeugenberichte über die gewaltsame Beendigung dieser wahnwitzigen Entwicklung durch „regierungstreue“ Truppen, die zum Teil aus dem Württembergischen stammten, sind in ihrer Drastik kaum auszuhalten.

Auch Thomas Mann, der fünf Jahre zuvor sein „Stadtpalais“ im Bogenhauser Herzogpark bezogen hatte, zeigte sich fassungslos. Er notierte in einem Brief vom 12. Mai 1919: „Unser gutes München geht mir … bis daher. Diese Mischung von Stumpfsinn, Leichtsinn und Schwabingerei ist ekelerregend und, wie sich’s gezeigt hat, imstande, die blutigsten Absurditäten zu zeitigen. Jetzt hat das Bürgertum mit fremder Hilfe wieder Oberwasser, täuscht sich aber völlig über die andauernde Gefährlichkeit der Lage … Ich trage mich mit Wegzugsgedanken."

An diesem Montagabend erzählte Klaus Reichold in der Reihe „München 1918-1923“ von Maschinengewehrschützen im Maximilianeum, von Leichenhallen, deren Fassungsvermögen nicht mehr ausreicht – und von einem Republikfeind aus Braunau, der aus Bayern ausgewiesen werden soll. Und am Samstagvormittag vertiefen wir das Thema bei einer Führung mit der Historikerin und Bestseller-Autorin Heidi Rehn.
 

Odeonsplatz am 09.11.1923: Bundesarchiv, Bild 119-1426 / CC-BY-SA 3.0, CC BY-SA 3.0 de, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=5415948

Hitler ante portas
Der Putsch vom 9. November 1923 und seine Vorgeschichte
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Nach der Ermordung von Kurt Eisner eskalierte die Situation: Auf die Ausrufung der Räterepublik folgten blutige Straßenschlachten, die Flucht der alten Regierung nach Bamberg – und die Reaktion: Der Münchner Erzbischof verurteilte die Revolution als „Meineid und Hochverrat“. „Der Feind ist im Land“, verkündete die Bayerische Volkspartei. Die politische Rechte setzte sich durch: Beflügelt von der Inflation und der wirtschaftlichen Not schaffte es Adolf Hitler mit dem „Marsch auf die Feldherrnhalle“ erstmals auf die Titelseiten der Weltpresse.

Führung mit Klaus Reichold und der Historikerin und Autorin Heidi Rehn
Geplante Stationen: Historische Schauplätze der Jahre 1919 bis 1923 (darunter die Feldherrnhalle), begleitet von Ausschnitten aus dem Roman „Tanz des Vergessens“, der aus der Feder von Heidi Rehn stammt und von den Wirren der Räterepublik erzählt, vom Tod Ludwigs III. und vom beginnenden Nationalsozialismus
Wann: Sa., 15.12.2018, 11.00 - 13.30 Uhr
Treffpunkt: Hauptgebäude der Ludwig-Maximilians-Universität, Geschwister-Scholl-Platz 1, München
Preis: 15 €

Anmeldung für Samstagvormittag per Mail ...


Wir freuen uns auf Sie!


Neuerscheinung

Eben noch unter Kronleuchtern ...
Die Revolution 1918/1919 aus Sicht der bayerischen Königstöchter

Herausgegeben von Christiane Böhm

Erschienen am 2. Oktober 2018
Hardcover mit Lesebändchen, 180 Seiten und über 40 historischen Abbildungen
18,00 € (D), ISBN 978-3-944936-52-9

„Wer hätte sich das träumen lassen! Nach bald tausendjährigem Bestehen der bayrischen Dynastie — ein solch jähes Ende!“

In der Nacht vom 7. auf den 8. November 1918 stürzt mit König Ludwig III. von Bayern der erste deutsche Monarch von seinem Thron. Seine Flucht aus München samt Familie und Bediensteten ist an Pannen kaum zu überbieten.   

Im Geheimen Hausarchiv der Wittelsbacher hat Christiane Böhm die Tagebücher der Königstochter Wiltrud entdeckt. Sie erlauben einen einzigartigen Blick hinter die Kulissen jener turbulenten Tage, werden in diesem Band erstmals ausführlich veröffentlicht und lassen den Leser in ein Drama von shakespeare’scher Wucht eintauchen:   

Die Königin ist sterbenskrank. Ihre Angehörigen fürchten, einem ähnlichen Schicksal anheimzufallen wie die russische Zarenfamilie, die wenige Wochen zuvor ermordet worden ist. Die jüngste Tochter bangt um das Zustandekommen ihrer mühsam arrangierten Ehe. Und ihr Verlobter wird Augenzeuge der tödlichen Schüsse auf den Revolutionsführer und bayerischen Ministerpräsidenten Kurt Eisner.

"Unser Leben ist wie ein spannender Roman; alles spitzt sich jetzt auf Stunden zusammen." (Prinzessin Wiltrud von Bayern)                        


Leseprobe:

Ohne Licht folgte das Auto dem der Eltern durch die schwachbeleuchtete und gegen Osten menschenleere Stadt. „Albrecht mußte sich ducken und die Mütze vorziehen, Hildegard war auch zusammengekauert am Rücksitz. Albrecht glaubte einen Soldaten gesehen zu haben, der dem Auto einen Stein nachwarf — etwas hörte ich auch gegen das Auto prallen. Zwei Leute gingen mit Hanfernen Säcken gegen die Stadt, vielleicht waren es Plünderer. Man war voll Schreck (...). Trupps von Demonstranten begegneten wir nicht, das Maschinengewehrfeuer war auch nur innen     in der Stadt. Wir glaubten an eine Schlacht zwischen Militär und Zivil. Jeden Augenblick fürchteten wir eine Panne. — Da hält das vordere Auto ...“

Verstärkung der Mauer am Brandenburger Tor im November 1961 (National Archive)

Seit 4. März in der ZDF-Mediathek

Walter Ulbricht - sein geheimes Doppelleben
TV-Dokumentation von Sonja von Behrens

Er belog die Welt über die Mauer wie über sein Privatleben. Die Dokumentation zeigt die Karriere und das Privatleben Walter Ulbricht aus neuer Sicht. Der DDR-Diktator war nicht nur ein gnadenloser Apparatschik und Machtmensch, er war auch Geliebter, Ehemann und Vater. Und er war durchaus lernfähig, was die Entwicklung in der DDR betraf. Nicht sein starres Festhalten am alten System führte zu seinem Sturz durch Erich Honecker, sondern Ulbrichts Wunsch nach Reformen. Mehr Infos ...

Podcast zur Publikation "Im Maschinenraum des Ersten Weltkriegs - Eine Spurensuche in Ingolstadt"

Zum "virtuellen Museum" Im Maschinenraum des Krieges, das wir gemeinsam mit der append[x] GmbH für das Bayerische Armeemuseum erarbeitet haben, gibt es nun auch eine Begleit-Publikation.

Franz Hofmeier, der schon zahllose Schulklassen durch das Bayersiche Armeemuseum geführt hat, hat die Informationen nochmals erweitert und jugendgerecht formuliert, um auch Schülern die konkreten Konsequenzen, die der Krieg für Ingolstadt hatte, nahe zu bringen:

Franz Hofmeier: Im Maschinenraum des Ersten Weltkriegs. Eine Spurensuche in Ingolstadt, in der Reihe Materialien des Museumspädagogischen Zentrums München (MPZ), herausgegeben vom Bayerischen Armeemuseum. Erhältlich u.a. hier ...

Dr. Isabella Kreim vom Kulturkanal Ingolstadt hat die Neuerscheinung und das ganze Projekt nun ausführlich im Radio vorgestellt. Hier gibt es den Beitrag zum Nachhören ...  

Die Histonauten zu Gast bei "Habe die Ehre!"
Jetzt nachhören in der Mediathek von BR Heimat

Wie können wir aus der Geschichte lernen?

Die Histonauten Klaus Reichold und Thomas Endl fragen nach dem Zusammenhang der Ereignisse.

Sie waren zu Gast bei Conny Glogger und haben ihre Arbeit vorgestellt.

PIN.X - Bilder drehen, Bilder verstehen
Museums- und Filmpädagogik
in der Pinakothek der Moderne

Wir filmen mit Schülerinnen und Schülern! Aus Kunst werden Videos, aus "Stills" Stories. Mehr Infos ...

Wenn Sie auch Interesse daran haben, mit Ihrer Klasse teilzunehmen, melden Sie sich bitte bei uns.

Im Maschinenraum des Krieges
Das Bayerische Armeemuseum erinnert an den Ersten Weltkrieg

Die Histonauten haben im Auftrag des Bayerischen Armeemuseums Ingolstadt und in Zusammenarbeit mit append[x] ein „Virtuelles Museum“ geschaffen. Es verbindet historisch relevante Schauplätze in Ingolstadt mit der großen Dauerausstellung zum Ersten Weltkrieg im Reduit Tilly und steht unter http://1914-1918.armeemuseum.de online. Ein  Artikel von Klaus Reichold und ein Trailer von Thomas Endl stellen das Projekt hier vor:

Ein virtuelles Museum entsteht
Artikel für das Magazin "Schönere Heimat"
Schönere Heimat - Artikel Ingolstadt.pdf (213.83KB)
Ein virtuelles Museum entsteht
Artikel für das Magazin "Schönere Heimat"
Schönere Heimat - Artikel Ingolstadt.pdf (213.83KB)

 

Stammheim – Die RAF vor Gericht
Ein hochgesicherter Gerichtssaal als Schauplatz erbitterter Wortgefechte
Noch bis 1.5.2022 in der ARD-Mediathek

Auf der Anklagebank saßen die wohl „prominentesten“ Terroristen jener Jahre. Die Verhandlungen zogen sich über 192 Tage. Und die Akten, die in diesem Zeitraum entstanden, umfassten schließlich 50.000 Seiten. Der Strafprozess gegen die „erste Generation“ der „Roten Armee Fraktion“, darunter Andreas Baader und Ulrike Meinhof, war einer der längsten und spektakulärsten in der deutschen Justizgeschichte.

Unsere Hamburger Mit-Histonautin Sonja von Behrens leuchtet in einer ARD-Fernsehdokumentation mit ihrem Kollegen Thomas Schuhbauer die emotionalen Hintergründe dieses Machtkampfes aus, der in den „Deutschen Herbst“ von 1977 mündete.

40 Jahre nach dem Geschehen kommen viele Beteiligte von damals zu Wort und ordnen die Ereignisse neu ein: Richter im Stammheimer Prozess wie Theodor Prinzing, Kurt Breucker und Eberhard Foth, Verteidiger wie Hans-Christian Ströbele, Rupert von Plottnitz und Kurt Groenewold sowie Journalisten und Prozessbeobachter wie der Theatermacher Claus Peymann und der damals 16-jährige Schüler und heutige Filmemacher Andres Veiel. Der Film enthüllt, dass das Stammheimer Gericht am Zustandekommen der Sondergesetze beteiligt war, mit denen kurz vor Prozessbeginn die Rechte von Angeklagten und Verteidigern beschnitten wurden, und erzählt das private Drama im Hause Prinzing: Seine Tochter Gabriele war Sympathisantin der RAF. Beide offenbaren in ausführlichen Interviews erstmals die persönliche Seite eines Prozesses, der das Land spaltete.

45-minütige Fernsehdokumentation von Thomas Schuhbauer und Sonja von Behrens

Sonja von Behrens und ihre Kollegen freuen sich über Sie als Zuschauer!