Wir pflegen die Kunst, durch die Zeit zu reisen

Reisen Sie mit!

Das Luftschiff, mit dem die Histonauten  die Weltgeschichte erkunden, hat Henri Giffard konstruiert.  Dem dampfmaschinenbegeisterten Franzosen gelang 1852  der allererste motorisierte bemannte Flug.  Von Paris über Versailles nach Elancourt legte das Gefährt  rund 28 Kilometer zurück.  Mit seiner aerodynamischen Form und der drei PS starken  Dampfmaschine, die die Luftschraube antrieb, kam der  schnittige Gasballon mit acht Kilometern pro Stunde voran.  Das dreieckige Segel nutzte Giffard zum Steuern.  Zum Landen warf er den Anker. Eine optimierte Variante  des Luftschiffes ging bei der Probefahrt in Flammen auf.  Giffard und sein Begleiter entkamen der Katastrophe  jedoch unverletzt. Erst fünfzig Jahre nach Giffards Pionierflug  gelang es Ferdinand Graf Zeppelin,  ein wirklich verkehrstüchtiges Luftschiff zu bauen.   (© Bild: Sammlung Jean Louis Schlim)


aktuell


Newsletter 211

Liebe Freunde der weiß-blauen Kulturgeschichte,

der kinderlose Onkel in Heidelberg galt seit Jahren als “abgelebter Greis“, war wegen seiner angegriffenen Gesundheit bereits mehrfach für tot erklärt worden, regierte aber einfach ungeniert weiter. Denn ihm war nicht entgangen, dass es der ehrgeizige Neffe aus Neuburg an der Donau gar nicht erwarten konnte, an seiner statt der neue Kurfürst von der Pfalz zu werden. Die Zeitläufte ließen sich allerdings nicht aufhalten: Am 26. Februar 1556 schloss der 73-jährige Friedrich „alt und lebenssatt“ die Augen. Wenige Tage später rumpelte Ottheinrich, der 54 Jahre alte und angeblich zweihundert Kilo schwere Enkel des Landshuter Hochzeitspaares, mit all seinem Plunder und einem Teil seiner Menagerie von der Donau an den Neckar, um sein „wartend erb“ anzutreten.

Für das Heidelberger Geistesleben erwies sich dieser Thronwechsel als Glücksfall: Ottheinrich, überzeugter Protestant und Freund gelehrter Debatten, reformierte die Universität, machte die Stadt zur Metropole des deutschen Humanismus und bescherte ihr mit der „Bibliotheca Palatina“ eine Büchersammlung von welthistorischer Bedeutung. Zu ihren Schätzen gehörten unter anderem die Manessische Liederhandschrift und das „Falkenbuch“ Kaiser Friedrichs II.

Die bibliophilen Kostbarkeiten, die Ottheinrich durch Kauf, anhaltendes Leihen und regelrechte Raubzüge durch Klosterbibliotheken zusammengetragen hatte, kamen freilich schon 1622 wieder abhanden:
In den Tagen des Dreißigjährigen Krieges galt die Bibliotheca palatina wegen ihres riesigen Bestandes an protestantischer Literatur insbesondere bei der katholischen Verwandtschaft in München als Vorhof der Hölle. Unter diesem Vorwand wurde die legendäre Büchersammlung von Maximilian I. von Bayern mit Stumpf und Stiel geplündert, auf Ochsenkarren verladen und anschließend – über die bayerische Haupt- und Residenzstadt – ausgerechnet in den Vatikan verfrachtet.

Wo der Löwe zuhause ist
Vortrag: Die Wittelsbacher in der Pfalz
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Ludwig der Strenge forcierte den Ursprungsbau des Heidelberger Schlosses. Ludwig der Bayer errichtete die malerisch im Fluss gelegene Burg Pfalzgrafenstein bei Kaub. Und Karl Theodor verlegte die Mannheimer Hofhaltung im Sommer nach Schwetzingen. Von Baden-Württemberg bis ins Saarland erinnern Herrschersitze und Städte mit weiß-blauen „Wecken“ und Löwen im Wappen daran, dass die Wittelsbacher ab 1214 auch die Pfalz regierten. Zu den herausragendsten Gestalten dieses Familienzweiges gehörte der „Winterkönig“, der außerdem noch Protestant war.

Wann: Do., 24.01.2019, 19.30 Uhr, Wiederholung: Fr., 25.01.2019, 11.00 Uhr
Wo: Zentrum St. Bonifaz, Karlstraße 34, München
Preis: 15 €

Anmeldung für Donnerstagabend per Mail ...

Anmeldung für Freitagvormittag per Mail ...


Newlsetter 208 - Weihnachten mit Bayern-Büchern


Liebe Freunde der weiß-blauen Kulturgeschichte,

kurz vor der Heiligen Nacht zieht bekanntlich nicht nur die „Wilde Jagd“ lärmend durch die Lüfte. Auch die Perchten, die „bluadige Luz“ und der „bluadige Dammerl“ treiben ihr Unwesen. Diesem Spuk wollten wir Sie gar nicht erst aussetzen. Deshalb haben wir uns schon am vergangenen Samstag mit einem Stadtrundgang zum Thema „Hitler ante portas“ in die Ferien verabschiedet: Wir wünschen Ihnen ein gesegnetes Weihnachtsfest und einen guten Start ins Neue Jahr!

Und falls Sie die Histonauten bis zur Fortsetzung der Reihen  „Die Wittelsbacher privat“ und „Münchner Schatzhäuser“  am 10./11. bzw. 14./19. Januar 2019 vermissen sollten:

Wir haben derzeit (vermutlich bis Ende März 2019) das Vergnügen, mit der Histonauten-eigenen „Edition Luftschiffer“ und den sechs KollegInnen von den „Münchner Buchmachern“, darunter der Franz Schiermeier Verlag, der Hirschkäfer Verlag und der Morisken Verlag, einen Laden im Neuen Rathaus betreiben zu dürfen.

Sie finden ihn in der Dienerstraße, gegenüber dem Kaufhaus Beck, direkt neben „München Ticket“.

In diesem Laden erwartet Sie eine reiche Auswahl von weiß-blauer Literatur, darunter – passend zu unseren Themen im Herbst – ein Kalender zur Revolution von 1918/1919 und (unter dem Titel „Eben noch unter Kronleuchtern“) eine Sammlung von Tagebuchnotizen zur Flucht der königlichen Familie am 7./8. November 1918.

Öffnungszeiten im Dezember:
Montag bis Samstag, 10 bis 20 Uhr,
24. und 31. Dezember: 10 bis 13 Uhr

Öffnungszeiten ab Januar:
Dienstag bis Samstag, 11 bis 19 Uhr 

In aller Regel werden Sie während der Öffnungszeiten von den VerlegerInnen persönlich beraten.

Wir freuen uns auf Sie!


Unser Geschenktipp zu Weihnachten

(immer vorrätig im Pop-Up-Store der Münchner Buchmacher im Münchner Neuen Rathaus, Eingang Dienerstraße, und auch sonst überall im Buchhandel erhältlich)

Eben noch unter Kronleuchtern ...
Die Revolution 1918/1919 aus Sicht der bayerischen Königstöchter

Herausgegeben von Christiane Böhm

Erschienen am 2. Oktober 2018
Hardcover mit Lesebändchen, 180 Seiten und über 40 historischen Abbildungen
18,00 € (D), ISBN 978-3-944936-52-9

„Wer hätte sich das träumen lassen! Nach bald tausendjährigem Bestehen der bayrischen Dynastie — ein solch jähes Ende!“

In der Nacht vom 7. auf den 8. November 1918 stürzt mit König Ludwig III. von Bayern der erste deutsche Monarch von seinem Thron. Seine Flucht aus München samt Familie und Bediensteten ist an Pannen kaum zu überbieten.   

Im Geheimen Hausarchiv der Wittelsbacher hat Christiane Böhm die Tagebücher der Königstochter Wiltrud entdeckt. Sie erlauben einen einzigartigen Blick hinter die Kulissen jener turbulenten Tage, werden in diesem Band erstmals ausführlich veröffentlicht und lassen den Leser in ein Drama von shakespeare’scher Wucht eintauchen:   

Die Königin ist sterbenskrank. Ihre Angehörigen fürchten, einem ähnlichen Schicksal anheimzufallen wie die russische Zarenfamilie, die wenige Wochen zuvor ermordet worden ist. Die jüngste Tochter bangt um das Zustandekommen ihrer mühsam arrangierten Ehe. Und ihr Verlobter wird Augenzeuge der tödlichen Schüsse auf den Revolutionsführer und bayerischen Ministerpräsidenten Kurt Eisner.

"Unser Leben ist wie ein spannender Roman; alles spitzt sich jetzt auf Stunden zusammen." (Prinzessin Wiltrud von Bayern)                        


Leseprobe:

Ohne Licht folgte das Auto dem der Eltern durch die schwachbeleuchtete und gegen Osten menschenleere Stadt. „Albrecht mußte sich ducken und die Mütze vorziehen, Hildegard war auch zusammengekauert am Rücksitz. Albrecht glaubte einen Soldaten gesehen zu haben, der dem Auto einen Stein nachwarf — etwas hörte ich auch gegen das Auto prallen. Zwei Leute gingen mit Hanfernen Säcken gegen die Stadt, vielleicht waren es Plünderer. Man war voll Schreck (...). Trupps von Demonstranten begegneten wir nicht, das Maschinengewehrfeuer war auch nur innen     in der Stadt. Wir glaubten an eine Schlacht zwischen Militär und Zivil. Jeden Augenblick fürchteten wir eine Panne. — Da hält das vordere Auto ...“

Verstärkung der Mauer am Brandenburger Tor im November 1961 (National Archive)

Seit 4. März in der ZDF-Mediathek

Walter Ulbricht - sein geheimes Doppelleben
TV-Dokumentation von Sonja von Behrens

Er belog die Welt über die Mauer wie über sein Privatleben. Die Dokumentation zeigt die Karriere und das Privatleben Walter Ulbricht aus neuer Sicht. Der DDR-Diktator war nicht nur ein gnadenloser Apparatschik und Machtmensch, er war auch Geliebter, Ehemann und Vater. Und er war durchaus lernfähig, was die Entwicklung in der DDR betraf. Nicht sein starres Festhalten am alten System führte zu seinem Sturz durch Erich Honecker, sondern Ulbrichts Wunsch nach Reformen. Mehr Infos ...

Podcast zur Publikation "Im Maschinenraum des Ersten Weltkriegs - Eine Spurensuche in Ingolstadt"

Zum "virtuellen Museum" Im Maschinenraum des Krieges, das wir gemeinsam mit der append[x] GmbH für das Bayerische Armeemuseum erarbeitet haben, gibt es nun auch eine Begleit-Publikation.

Franz Hofmeier, der schon zahllose Schulklassen durch das Bayersiche Armeemuseum geführt hat, hat die Informationen nochmals erweitert und jugendgerecht formuliert, um auch Schülern die konkreten Konsequenzen, die der Krieg für Ingolstadt hatte, nahe zu bringen:

Franz Hofmeier: Im Maschinenraum des Ersten Weltkriegs. Eine Spurensuche in Ingolstadt, in der Reihe Materialien des Museumspädagogischen Zentrums München (MPZ), herausgegeben vom Bayerischen Armeemuseum. Erhältlich u.a. hier ...

Dr. Isabella Kreim vom Kulturkanal Ingolstadt hat die Neuerscheinung und das ganze Projekt nun ausführlich im Radio vorgestellt. Hier gibt es den Beitrag zum Nachhören ...  

Die Histonauten zu Gast bei "Habe die Ehre!"
Jetzt nachhören in der Mediathek von BR Heimat

Wie können wir aus der Geschichte lernen?

Die Histonauten Klaus Reichold und Thomas Endl fragen nach dem Zusammenhang der Ereignisse.

Sie waren zu Gast bei Conny Glogger und haben ihre Arbeit vorgestellt.

PIN.X - Bilder drehen, Bilder verstehen
Museums- und Filmpädagogik
in der Pinakothek der Moderne

Wir filmen mit Schülerinnen und Schülern! Aus Kunst werden Videos, aus "Stills" Stories. Mehr Infos ...

Wenn Sie auch Interesse daran haben, mit Ihrer Klasse teilzunehmen, melden Sie sich bitte bei uns.

Im Maschinenraum des Krieges
Das Bayerische Armeemuseum erinnert an den Ersten Weltkrieg

Die Histonauten haben im Auftrag des Bayerischen Armeemuseums Ingolstadt und in Zusammenarbeit mit append[x] ein „Virtuelles Museum“ geschaffen. Es verbindet historisch relevante Schauplätze in Ingolstadt mit der großen Dauerausstellung zum Ersten Weltkrieg im Reduit Tilly und steht unter http://1914-1918.armeemuseum.de online. Ein  Artikel von Klaus Reichold und ein Trailer von Thomas Endl stellen das Projekt hier vor:

Ein virtuelles Museum entsteht
Artikel für das Magazin "Schönere Heimat"
Schönere Heimat - Artikel Ingolstadt.pdf (213.83KB)
Ein virtuelles Museum entsteht
Artikel für das Magazin "Schönere Heimat"
Schönere Heimat - Artikel Ingolstadt.pdf (213.83KB)

 

Stammheim – Die RAF vor Gericht
Ein hochgesicherter Gerichtssaal als Schauplatz erbitterter Wortgefechte
Noch bis 1.5.2022 in der ARD-Mediathek

Auf der Anklagebank saßen die wohl „prominentesten“ Terroristen jener Jahre. Die Verhandlungen zogen sich über 192 Tage. Und die Akten, die in diesem Zeitraum entstanden, umfassten schließlich 50.000 Seiten. Der Strafprozess gegen die „erste Generation“ der „Roten Armee Fraktion“, darunter Andreas Baader und Ulrike Meinhof, war einer der längsten und spektakulärsten in der deutschen Justizgeschichte.

Unsere Hamburger Mit-Histonautin Sonja von Behrens leuchtet in einer ARD-Fernsehdokumentation mit ihrem Kollegen Thomas Schuhbauer die emotionalen Hintergründe dieses Machtkampfes aus, der in den „Deutschen Herbst“ von 1977 mündete.

40 Jahre nach dem Geschehen kommen viele Beteiligte von damals zu Wort und ordnen die Ereignisse neu ein: Richter im Stammheimer Prozess wie Theodor Prinzing, Kurt Breucker und Eberhard Foth, Verteidiger wie Hans-Christian Ströbele, Rupert von Plottnitz und Kurt Groenewold sowie Journalisten und Prozessbeobachter wie der Theatermacher Claus Peymann und der damals 16-jährige Schüler und heutige Filmemacher Andres Veiel. Der Film enthüllt, dass das Stammheimer Gericht am Zustandekommen der Sondergesetze beteiligt war, mit denen kurz vor Prozessbeginn die Rechte von Angeklagten und Verteidigern beschnitten wurden, und erzählt das private Drama im Hause Prinzing: Seine Tochter Gabriele war Sympathisantin der RAF. Beide offenbaren in ausführlichen Interviews erstmals die persönliche Seite eines Prozesses, der das Land spaltete.

45-minütige Fernsehdokumentation von Thomas Schuhbauer und Sonja von Behrens

Sonja von Behrens und ihre Kollegen freuen sich über Sie als Zuschauer!